14. Oktober 2015

„Auf Grammatik kommt es nicht an“

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teachers-interview2Unsere Lehrer sind sich einig, dass man – um in einer Sprache gut zu sein – verstanden haben muss, wie die einzelnen kleinen Teile einer Sprache zusammen gehören, um erfolgreich zu kommunizieren. Sie hören daher genau zu, wie Schüler Sprache benutzen, ob sie sie wie ein Engländer benutzen. Und wenn nicht, dann kann man sie korrigieren, so dass es auch wirklich eine richtige Unterhaltung gibt, wenn sie mit einem Engländer oder mit einer Person auf Englisch sprechen. Und das kann in der Tat auch ohne die richtige Grammatik passieren, wenn sie über die richtigen Elemente, die richtige Betonung und diese Dinge verfügen.

Tom interviewte einige unserer Lehrer der Europa School of English in Bournemouth im Sommer 2015.

 

Stellen Sie sich doch bitte einmal kurz vor!

Jane: „Ich bin Jane und ich unterrichte bei Offaehrte Sprachreisen nun schon seit einigen Jahren.“

Darren: „Hallo, ich bin Darren und das ist mein erstes Jahr, in dem ich für Offaehrte unterrichte. Ich bin schon seit vielen Jahren Englisch-Lehrer. Man kann also sagen, dass ich ziemlich erfahren bin.“

Olli: „Hi, ich bin Olli und das erste Jahr, in dem ich für Offaehrte Sprachreisen unterrichte. Ich unterrichte seit einigen Jahren und glaube, ich bin hier der Jungspund.“

Jane: „Genau! Wir brauchen deine Energie!“

Darren: „Ja, das System der Schule ist wirklich ziemlich gut. Wir haben hier ältere und jüngere Lehrer, es treffen sich also Erfahrung und neue Ideen.“

Was ist das Hauptziel während des Unterrichts?

Jane: „Ich habe heute Morgen über dieses Thema mit ein paar neuen Schülern geredet, ich unterrichte nämlich gerade die Jüngsten. Sie sitzen da, bereit ihre Grammatik zu lernen und wir sagen ihnen dann, dass das hier anders funktioniert als bei ihnen zuhause in der Schule. Natürlich werden wir auch grammatikalische Themen behandeln und nach und nach ordnen während wir vorankommen, aber das ist nicht das Hauptziel unseres Unterrichts. Denn das lernen die Schüler und Schülerinnen ja schon im Englischunterreicht in ihren Herkunftsländern. Wir sind hier, um verschiedene Aspekte der englischen Sprache anhand ganz unterschiedlicher Methoden und Situationen zu erlernen. Wir leben die Sprache wirklich und ich betone immer wieder, dass es gut ist, Fehler zu machen. Wir alle machen Fehler beim Sprechen. Sogar wir, obwohl wir Muttersprachler sind. Besonders wenn man mal auf dem Schlauch steht und spontan antworten muss, benutzt man die Grammatik nicht immer korrekt. Aber es geht viel eher darum, wie wir kommunizieren und darum, selbstbewusster zu werden!“

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Tom führte das Interview im Sommer 2015 mit den Lehrern an der Europa School of English in Bournemouth

Darren: „Ich stimme damit überein, dass das Selbstbewusstsein beim Sprechen sehr wichtig ist. Wenn man in einem normalen Klassenraum in der Schule ist, ist man oft zu sehr darauf fokussiert, die Antwort zu geben, die der Lehrer von einem erwartet. Um eine Sprache zu beherrschen, muss man allerdings verstehen, aus welchen Bestandteilen sie sich zusammensetzt, um letztlich gut mit anderen kommunizieren zu können. Deshalb achte ich während des Unterrichts sehr genau darauf, wie die Schüler und Schülerinnen die Sprache benutzen und ob sie so Englisch sprechen wie es ein Muttersprachler tun würde. Denn solange sie die richtigen Satzbausteine, Phrasen und Betonungen benutzen, ist die Grammatik nicht das Wichtigste, um zu kommunizieren.“

Olli: „Ganz genau! Meine Schüler lesen zum Beispiel oft Texte, in denen ein bestimmtes Wort vorkommt, das sie nie zuvor gesehen haben. Dann können sie all das grammatikalische Verständnis dieser Welt haben und dennoch hilft es Ihnen nicht dabei, das Wort richtig auszusprechen. Wir versuchen, die Schüler in so einer Situation dazu zu motivieren, sich einfach zu trauen und das entsprechende Wort zu sagen. Denn es geht hier in erster Linie um das Selbstvertrauen, das eine flüssige Kommunikation erst möglich macht. Und wenn man diesen Prozess dann noch mit Spaß verbindet, stellen die Schüler oft 25 Minuten nach Beginn des Unterrichts fest: „Oh, Moment mal! Ich habe ja etwas gelernt!“

Der Unterricht hier unterscheidet sich also von dem in der Schule?

Darren: „Ja, denn ich denke wir sind hier besonders entspannt. Wir haben zum Beispiel keine bestimmten Tests oder Klassenarbeiten, die die Schüler bestehen müssen. Wir als Lehrer schauen uns die Klasse an, schauen uns die einzelnen Individuen an und wie sie ihre Sprache benutzen und helfen ihnen, ihren Umgang damit zu verbessern. Denn wir sind die Englisch-Experten und ein großer Teil unseres Wissens stammt nicht aus Büchern, es stammt aus unserem eigenen Verständnis der Sprache.“

Das Motto von Offaehrte Sprachreisen ist ‚learn more than a language‘. Was bedeutet das für den Unterricht?

Jane: „Die Antwort auf diese Frage ist eng mit dem verknüpft, was wir gerade über das Selbstvertrauen beim Sprechen und das Wissen darüber, wie man effizient und effektiv kommuniziert, gesagt haben. Überall auf der Welt versteht man, dass die englische Sprache den unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt ist und sich fortwährend entwickelt. Das ist nichts Neues, denn das hat sie immer getan. Wir tendieren dazu, zu denken, dass es nur ein einziges richtiges Englisch gibt, und zwar das aus unseren Büchern. Aber das stimmt nicht! Es gibt australisches Englisch, neuseeländisches Englisch, amerikanisches Englisch – und das sind nur die offiziellen Formen. Außerdem gibt es noch das indische Englisch, das asiatische Englisch, das chinesische Englisch und andere Formen. All diese Menschen verschiedenster Herkunft werden wahrscheinlich nie mit einem britischen Muttersprachler sprechen. Sie werden Englisch mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern sprechen und aus diesem Grund entwickelt sich die englische Sprache immer weiter und kann wirklich als Lingua Franca angesehen werden. Denn sie hat all die nötigen Strukturen, die es ihr erlauben, sich weiterzuentwickeln. Das heißt aber auch, dass jemand, der die Grammatik komplett und für alle Zeit festhalten will, verstehen muss, dass sich das Englische stetig verändert. Das ist auch das, was ich den Schülern erzähle. Denn wir wollen ihnen beibringen, ihre Sprache mit diesem Wandel zu entwickeln.“

Darren:   „Es geht im Unterricht hauptsächlich darum, was als Gruppe passiert um das Motto „Learn more than a language“ wirklich erlebbar zu machen. Denn Sprache ist nur ein Werkzeug, das wir benutzen. Aus diesem Grund versuchen wir bei Offaehrte Sprachreisen eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, die es den Schülern und Schülerinnen ermöglicht, Spaß zu haben und die Sprache fast nebenbei zu lernen während sie andere Dinge tun. Denn so lernen alle Kinder, Sprache zu benutzen: Sie sitzen nicht vor einem Buch und lernen Grammatik, ihr Sprechen ist in eine Situation eingebettet. Und ich denke, das ist auch der Fokus unserer Sprachschule.“

Olli: „Das erkennt man auch, wenn man sich die Schüler anschaut, die von unseren Ausflügen und Trips zurückkehren und dort viele verschiedene Dinge erlebt haben. Man merkt gleich, dass sofort vielfältige Gesprächsthemen aufkommen. Einem Schüler, der beispielsweise nicht mit auf einem Trip war, weil er gerade erst angereist ist, wird von den anderen berichtet: „Das ist ein toller Ort! Lass alles liegen, was du gerade in der Hand hast und fahr dorthin!“ Aber auch in anderen Situationen folgen wir dem Credo „Learn more than a language“. Wenn die Schüler in einen Laden gehen und nach etwas fragen, gibt ihnen das die Möglichkeit, etwas in die Praxis umzusetzen, was wir ihnen vorher beigebracht haben. Und in aller Regel werden sie sich danach gut fühlen und beim nächsten Mal noch selbstbewusster agieren. Wenn sie dann wieder zurück in ihren Herkunftsländern sind, sprechen sie natürlich wieder ihre Muttersprachen und würden vieles, was sie hier gelernt haben, schnell wieder vergessen. Der Umstand aber, dass sie hier in einer englischen Umgebung lernen und die Theorie in echten Alltagssituationen in die Praxis umsetzen können, hilft ihnen sehr dabei, das Gelernte im Kopf zu behalten.“

 

Der Vollständigkeit halber hier auch noch einmal das Interview im Original als Video. Leider ist die Tonqualität aufgrund des starken Windes nicht so gut gelungen. Aber für alle Interessierten:

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