2. Juli 2012

Fußball-Wetten in Biarritz

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Beitrag unseres IP Reporters Paul. Ich sitze in meinem Zimmer in der Jugendherberge. Bus verpasst. Merde! Wenigstens reicht mein Französisch mittlerweile aus, um ordentlich zu fluchen und mir in der Jugendherberge den Ersatzschlüssel geben zu lassen (natürlich habe ich nicht nur die Busfahrkarte, sondern auch den Schlüssel liegen vergessen).


Abgesehen von solchen kleineren Rückschlägen läuft es aber echt gut hier. Am Samstag bin ich nach vierundzwanzig Stunden Busfahrt in der Jugendherberge angekommen. In den Tagen danach trafen auch meine Mitbewohner ein, Jan und Alice aus Hamburg, Andrea aus Italien, Diego aus Cancun und die Carreras-Geschwister aus der Dominikanischen Republik. Montag um neun ging dann der Französischunterricht los, und unsere Gruppe wurde um die Leute erweitert, die in Gastfamilie leben, Deutsche, Südafrikaner, deutsche Südafrikaner, Russen, Surfer von den Kanaren und einer Unmenge Schweden. Wer konnte ahnen, dass es so viele Schweden auf der Welt gibt?

 
Nach einer halben Stunde Multiple-Choice-Test wurden wir dann in Anfänger, Durchschnittliche und Fortgeschrittene aufgeteilt (Ich muss verdammt gut geraten haben, denn ich bin im mittleren Kurs gelandet und halte mich dort jetzt schon seit drei Tagen ganz passabel). Wir haben dreimal 45 Minuten Unterricht mit wechselnden Lehrern – danach gibt es noch einen Intensivkurs, den man dazu buchen konnte. Der Unterricht ist entspannt; wir machen ein bisschen Textarbeit, reden viel in dem brüchigen Französisch, das wir auf die Reihe kriegen und freueun uns, wenn wir ab und zu eine Frage für jemanden übersetzen können, der sie nicht verstanden hat. Außerhalb des Unterrichts wird abgesehen von Französisch so ziemlich alles gesprochen, was unsere bunte Truppe so zu bieten hat, und so haben sich auch meine Spanisch- und Afrikaans-Kenntnisse entschieden verbessert.

 
Die Nachmittage verbringen wir am Strand, wo wir in unterschiedlichen Stufen braun und rot werden, abends sehen wir im Stadzentrum die EM – wir haben mittlerweile ein florierendes Wettbüro eröffnet und wenn Portugal heute Abend gewinnt, wird Jan aufgrund der hervorragenden Quote um die zehn Tafeln Schokolade bekommen. Dienstag waren wir in Saint Jean de Luce kurz vor der spanischen Grenze, rumlaufen und Kirchen angucken, morgen geht es nach Bayonne und am Samstag sind wir den Tag über in Spanien in Saint Sebastian. Eingeplant ist natürlich auch ein deutsch-spanisches Finale am Sonntagabend, das die sonst so einträchtigen Sprachschüler schon jetzt in zwei erbitterte Lager teilt. Nein, ganz so schlimm ist es natürlich nicht, als weltoffene Menschen wissen wir ja alle, dass Nationalismus kacke ist, aber wir lassen trotzdem keine Gelegenheit aus, uns unsere bekloppten Sprachen und Eigenheiten gegenseitig vorzuhalten und uns daran zu erinnern, dass allein die bescheuerten Länder aus denen wir kommen daran schuld sind – und dass Hitler einen sexy Bart hat.

 
So, es wird spät (der Abend ist mittlerweile verstrichen, Spanien hat seinen Teil der Abmachung erfüllt und ist ins Finale eingezogen) und meine linguistischen Fähigkeiten weichen einer überragenden Müdigkeit. Dieser gebe ich mich jetzt hin, bonne nuit!

Paul