29. Juli 2016

Brexit: Folgen für den Tourismus

teilen auf: Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterPin on PinterestEmail this to someone

brexit-1488036_960_720Als wir am Morgen des 24.06.2016 aufgewacht sind und vom Ergebnis des Referendums über den britischen EU-Ausstieg erfahren haben, waren wir genauso überrascht und geschockt wie sicherlich viele von euch auch.

Der erste Schreck hat sich zwar etwas gelegt, was bleibt sind allerdings die vielen Unsicherheiten und Fragen: Wie wird es nach dem Brexit weitergehen? Wie wird sich das Verhältnis zwischen EU und Großbritannien verändern? Und für uns und euch stellt sich natürlich auch die wichtige Frage: Welche Folgen hat der Brexit für den Tourismus auf der Insel? In diesem Beitrag versuchen wir Antworten darauf zu finden, was sich alles ändern könnte.

Übersicht

  • Reisefreiheit nach Großbritannien bleibt vorerst unberührt
  • mögliche Änderungen treten frühestens in zwei Jahren in Kraft
  • Visumspflicht unwahrscheinlich; Einreise für Touristen aber möglicherweise nur noch mit Reisepass
  • der Pfundkurs fällt, das bedeutet kurzfristig niedrigere Preise für ausländische Urlauber
  • über Fluggastrechte und eventuelle Roaminggebühren muss noch verhandelt werden

Reisefreiheit auf die Insel

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An den Reisebestimmungen für Reisen von und nach Großbritannien wird sich vorerst nichts ändern

Die wahrscheinlich wichtigste Frage zuerst: Welche Auswirkungen hat der Brexit auf die Reisefreiheit nach Großbritannien? Braucht man in Zukunft eventuell sogar ein Visum um auf die britischen Inseln zu kommen?

Zunächst einmal wird das Ergebnis des Referendums keine direkten Folgen für die Reisefreiheit haben, denn es besteht eine zweijährige „Kündigungsfrist“ der EU-Verträge. Das heißt, wenn die Briten heute offiziell den Antrag für den Austritt aus der EU stellen würden, könnten sie frühestens im Jahr 2018 aus der Union ausscheiden. Erst dann wären mögliche Auswirkungen auf deinen Urlaub in Großbritannien auch wirklich wirksam.

Wie diese Auswirkungen dann aussehen, wird sich im Laufe der Austrittsverhandlungen zeigen. Viele Experten halten es für unwahrscheinlich, dass es künftig eine Visumspflicht für EU-Touristen in Großbritannien geben wird. Die bürokratischen Hürden wären einfach viel zu hoch und schließlich will das Vereinigte Königreich sich nicht selbst dadurch schaden, dass weniger Touristen ins Land kommen.

Denkbar hingegen wäre, dass man bei der Einreise künftig statt seines Ausweises einen Reisepass vorzeigen muss, der dann abgestempelt wird. Ein Visum würde man dann wohl erst ab einem längeren Insel-Aufenthalt, wie zum Beispiel nach 90 Tagen, benötigen.

Da Großbritannien nicht zum Schengen-Raum gehört, innerhalb dessen sich Reisende frei von Land zu Land bewegen können, gibt es bei der Einreise in das Vereinigte Königreich darüber hinaus schon jetzt Grenzkontrollen. Daran wird sich also aller Voraussicht auch nach dem vollzogenen Brexit nichts ändern.

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Dank fallender Pfundkurse wird der Urlaub auf der Insel erstmal günstiger

Günstiger Urlaub in Großbritannien

Eine Folge des Referendums, die sich nach der Abstimmung bemerkbar gemacht hat, betrifft viele Urlauber allerdings schon jetzt ganz direkt. Und viele dürfte das durchaus freuen.

Denn nach der Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, sind viele Unternehmen und Anleger an der Börse verunsichert, wie es mit dem Land weitergehen wird. Eine Folge davon ist, dass das Britische Pfund im Vergleich zum Euro deutlich an Wert verloren hat.

Für Touristen aus dem Euro-Raum bedeutet das, dass ihr Geld beim Umtausch quasi mehr wert ist. So hat man vor dem Referendum für 100 Euro nur ungefähr 75 Pfund erhalten, aktuell bekommt man für 100 Euro aber rund 84 Pfund. Was das konkret bedeutet? Günstigeres Shoppen, günstigere Hotels oder ganz allgemein: Ein günstigerer Urlaub.

Die Touristikbranche im Vereinigten Königreich dürfte damit – zumindest kurzfristig – zu den Gewinnern des Brexit gehören, kann man durch die gesunkenen Preise doch auf mehr Touristen aus dem Ausland hoffen. Und die Reisenden selbst freut so ein günstiger Urlaub natürlich auch!

Die gleichen Rechte für Flugpassagiere?

Ein weiterer wichtiger Punkt, der für Reisende nach Großbritannien von Bedeutung sein könnte, betrifft die Fluggastrechte.

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Wird das Telefonieren bald wieder teurer?

Bisher werden diese innerhalb der EU geregelt: Wessen Flug sich verspätet oder sogar ganz anuliert wird, dem steht eine Entschädigung zu. Ob das auch noch der Fall ist, wenn Großbritannien die EU verlässt, ist bisher noch offen und muss erst neu verhandelt werden. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Briten nicht auf diese Regelung verzichten werden und mit der EU einen neuen Vertrag über die Fluggastrechte schließen, da viele Touristen die Rechtsansprüche sehr schätzen und klare Regelungen somit einen Wettbewerbsvorteil bedeuten. Würde das Vereinigte Königreich darauf verzichten, würde es sich aller Wahrscheinlichkeit nach selbst schaden.

Teurer telefonieren?

Was allerdings noch völlig unklar ist, ist, wie es mit den Roamingebühren aussieht, wenn die Briten erstmal aus der EU ausgetreten sind.

Denn schon während der letzten Jahre hat die EU diese Extra-Gebühren, die beim Telefonieren von einem Land in ein anderes anfallen, schrittweise gesenkt. Im kommenden Sommer, also 2017, sollen sie dann ganz abgeschafft werden.

Ob dann aber auch die Briten von dieser Regelung profitieren muss sich erst zeigen. Als Nicht-EU-Mitglied müssten sie darüber extra verhandeln. Und auch die Netzbetreiber haben dabei ein Wörtchen mitzureden. Wie sich die Anrufkosten letztendlich gestalten, wird sich also erst im Laufe der Zeit zeigen.

 

Tom Heilmann

Tom Heilmann

Andere Länder und Kulturen zu entdecken fand ich schon immer spannend. Reisen gehören für mich einfach zum Leben dazu. Umso besser, wenn man dann noch Fremdsprachen dabei lernen kann, um so erst fremde Menschen besser zu verstehen und zu Freunden zu machen!
Tom Heilmann