21. Oktober 2015

„Wir wollen die Kinder motivieren, sich auf die fremde Sprache und eine unbekannte Kultur einzulassen“

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heiner-gieseHeiner Giese (57) ist Geschäftsführer und Gründer von Offaehrte Sprachreisen. Die ersten Reisen organisierte der Sozialpädagoge 1987, damals fuhren 400 deutsche Jugendliche nach England. Heute betreibt Offaehrte eigene Sprachschulen in England, Frankreich und Deutschland, in denen sich jährlich mehr als 4.000 Kinder aus aller Welt treffen.

Im Interview berichtet H. Giese, wie sich Sprachreisen in den letzten 25 Jahren entwickelt haben.

Herr Giese, die Tage der Kinder sind voll mit Schule, Hausaufgaben und Freizeitterminen. Sind Ferien nicht zum Erholen da?

Kinder stehen heute in der Schule tatsächlich unter hohem Leistungsdruck. Eine Sprachreise ist aber ganz anderes Lernen. Die Kinder sind viel draußen, sie lernen von anderen in einer fremden Kultur. Ganz schnell schließen sie neue Kontakte mit Gleichaltrigen aus der ganzen Welt. Dazu brauchen sie Small-Talk. Den kann eine Schule nicht lehren.

Und wer nach Hause kommt, hat in Englisch plötzlich ein „Sehr gut“?

Unser Ziel ist nicht das Füllen von Lücken aus dem Unterricht. Wir wollen die Kinder motivieren, sich auf die fremde Sprache und eine unbekannte Kultur einzulassen. Für uns ist es ein Erfolg, wenn sie die Erfahrung machen, sich im Ausland verständigen zu können. Wenn sie gestärkt aus dem Sprachurlaub kommen, engagierter in den Unterricht gehen und sich dadurch die Noten verbessern, ist das doch nichts Schlechtes.

Ab welchem Alter würden Sie eine Sprachreise empfehlen?

Das ist sehr individuell. Jede Sprachreise ist ein Abenteuer, die erste ein ganz besonderes. Ist das Kind dafür schon selbstständig genug? Und vor allem: Möchte es diese Reise von sich aus? Wir bieten in Deutschland Sprachcamps für Kinder ab acht Jahren an. Mit zehn Jahren fahren die ersten nach England. Manche Kinder kommen schon mit zwei Jahren durch unsere Familienangebote mit Sprachreisen in Berührung.

Allein auf eine Reise gehen, das ist ganz schön mutig…

Das stimmt. Deshalb empfiehlt es sich, eine Reise über einen Veranstalter zu buchen, der seinen Sitz in Deutschland hat und Mitglied im Fachverband deutscher Sprachreiseveranstalter, dem FDSV, ist. Ein gutes Indiz ist immer die ausführliche Beschreibung aller Leistungen. Die Gastfamilie, die Unterbringung, die Teilnehmerzahl, die Lehrer und Betreuer, die An- und Abfahrt, das alles muss stimmen, damit die Reise zu einem tollen Erlebnis wird.

Und wenn etwas schief läuft?

Dann reagieren wir sofort. Im vergangenen Sommer hakte es zum Beispiel bei den langen Transfers von London Heathrow zu den Reisezielen. Es gab Beschwerden, wir kommunizieren das und suchen nach einer besseren Lösung. Die Kinder und Jugendlichen werden aber auch selbst aktiv, um sich so gut wie möglich abzusichern. Wir bieten beispielsweise Chats mit ehemaligen Reisegästen an. Da können Einstieger sich mit Erfahrenen austauschen und bekommen viele nützliche Tipps.

Was ist der Unterschied zwischen Offaehrte Sprachreisen vor 25 Jahren und heute?

Eine Menge. Die Lehrer und Betreuer sind hochqualifiziert und werden noch intensiver als früher auf ihre Einsätze vorbereitet. Der Unterricht ist moderner als in mancher Schule, das Freizeitprogramm sehr abwechslungsreich. Es hat sich qualitativ in der Branche generell viel getan. Der Standard bei Sprachreisen ist inzwischen höher als in der Touristik. Die vom FDSV veröffentliche Reklamationsquote liegt bei 1,57 Prozent.